• Nikolaus Reinecke

„Auf welchen Malgründen malen Sie?“

Meine Bilder sind nicht auf käuflichen Keilrahmen gemalt, sondern auf Rahmen, die ich selbst anfertige, bespanne und grundiere, bevor ich mit der eigentlichen künstlerischen Arbeit beginne. Ich arbeite gerne ganzheitlich. Ich bin auch Tischlermeister, wie Sie vielleicht in meiner Biographie gelesen haben. Ich möchte meine Bilder auf Malgründen sehr guter Qualität malen, auf Malgründen, die so gut sind, dass sie mir im Laden zu teuer wären, auf Malgründen, die zu meiner Maltechnik passen. Deshalb fertige ich diese komplett selbst an.


Ich bestelle beim Holzhändler zöllige (ein Zoll entspricht 2,54 cm) Bretter aus märkischer Kiefer. Diese sind so roh und ungehobelt, wie sie aus dem Sägewerk kommen. Sie haben noch die volle Breite des Baumes, das heißt, auch die „Baumkante“ ist noch dran. Das Holz wurde bereits kammergetrocknet. Zunächst schneide ich die Bretter an der Kreissäge in 5,5 cm breite Streifen und lege sie für einige Wochen sauber gestapelt beiseite, damit das Holz weiter trocknen kann und damit eventuell vorhandene Spannungen sich lösen können. So ist gewährleistet, dass alles hinterher schön gerade bleibt. Es folgen diverse Hobel-, Fräs- und Sägearbeiten an verschiedenen Maschinen. Jetzt wird noch einmal sortiert, damit nur die guten Rahmenstücke Verwendung finden. Dann verleime ich die 5 x 2 cm starken Leisten zu Rahmen. Wenn der Leim ausgehärtet ist, fräse ich Schlitze in die Ecken und leime dort eine „falsche Feder“ ein, damit die Ecke stabil ist. Nach dem leichten Abrunden der Kanten sind die Tischlerarbeiten erledigt.

Im Atelier bespanne ich die Rahmen mit einem mittelgroben Baumwollstoff, der 300g/qm wiegt. Beim Tackern muss ich den Stoff stramm aufziehen, weil meine Rahmen fest verleimt sind und sich das Gewebe anschließend nicht mehr nachspannen lässt (siehe vorheriger Blog). Anschließend trage ich meine spezielle Grundierung auf, deren Rezept ich für mich behalten möchte. Hierdurch läuft der rohe Baumwollstoff noch ein wenig ein, so dass die Rahmen „trommelhart“ bespannt sind.


Ein Tipp zum Schluss: Ist durch einen Stoß eine kleine Beule in Ihrer Leinwand entstanden? Hier genügt es fast immer, das Gewebe an der betroffenen Stelle von hinten nass zu machen, damit es sich wieder stramm zieht.




© Nikolaus Reinecke